5 Wochen Russland – ein Erfahrungsbericht

Wer denkt die Russen seien ein Volk von Anglern und Vodkatrinkern irrt. Das zeigt schon in der Tatsache, das Ersteres in der Öffentlichkeit erlaubt und Zweiteres verboten ist.

Putin hat den Alkoholtoten den Kampf angesagt. Das sich das nur langsam durchsetzt ist klar, aber der Wandel von der Säufernation zu einem Wirtschaftsstandort ist deutlich zu sehen. Ich habe habe auf meiner Reise einen sehr guten Überblick über Russland bekommen. Wir waren in kleinen kosakischen Dörfern genauso wie in den großen Hauptstädten im Norden, sowie in dem russischen Monacco und zukünftigen Winterolympiastadt Sotschi an der georgischen Grenze.

Sich dabei über aktuelle politische Geschehnisse zu unterhalten war wohl nicht zu vermeiden. Der alte patriotische Linguistigprofessor, der uns einen Vortrag über die russischen Kultureinflüsse im Rest der Welt hielt, schilderte das ganze natürlich sehr einseitig. Er beschrieb die westlichen Medien als einseitig und meinte der Westen wünsche sich den guten alten Feind aus dem kalten Krieg zurück.

getunter LadaEin krass getunter Lada

Der Standartrusse, fand die die russische Reaktion zwar gerechtfertigt, aber übertrieben und macht sich nun Sorgen darüber, was der Rest der Welt über sie denkt und ärgert sich, das nun die florierenden Beziehungen mit zum Beispiel Italien verschelchtert werden.

Ein direkter Einfluss, den ich noch beobachten konnte, war das einige Studenten, die in Georgien leben nun nicht wieder zurück in ihren Studienort in Rostov am Don zurückkehren konnten, weil die Grenze geschlossen ist.

Militär ist ohnehin überall in Russland präsent und wie es schien auch sehr angesehen. Überhaupt laufen überall Menschen mit Uniformen rum. Wer da nun zu was gehört und welche Ränge wer bekleidet fand ich absolut unmöglich herrauszufinden.

Die russische Küche hat mir sehr zugesagt. Sie ist sehr traditionell und hat nur wenige westliche Einflüsse. So gibt es zum Beispiel russische Schnellrestaurants mit Blaini, Pelmeni und Piroggen. Ein Russe sagte mit es gebe 3 große Übel, die man nicht verhindern könne. Diese sind Steuern zahle, irgendwann Sterben und Mc Donalds… Direkt am roten Platz befindet sich ein Restaurant der benannten Sorte.

Jeder Russe, der was auf sich hält hat eines der modernsten Handy und an jeder Ecke gibt es Handyläden. Daraus resultiert natürlich auch das Problem der aushandyspeakerschrecklichemusikhörenden Jugendlichen.

versteinerter pacmanDer Leichnam des Vaters aller Computerspiele im Naturkundemuseum am Kreml ! Unglaublich !

Der Straßenrusse ist im allgemeinen immer sehr distanziert und eher abweisend als freundlich. Das ist zwar Schade, aber man gewöhnt sich schnell daran, das im Öffentlichen Leben und in Geschäften der Umgangston eher kühl und sachlich ist. Lernt man einen Russen allerdings näher kennen schlägt das ins Gegenteil über, es wird viel gelacht und es wird einem eine unglaubliche Gastfreundschaft entgegengebracht, so wurden wir zum Beispiel einfach mal zum Frühstück eingeladen und an dem Morgen wurde alles aufgefahren was die kleine Küche so hergab und in den Zügen wurde brüderlich jedes Hühnchen und jedes Stück Speck mit allen geteilt und mit einem gemeinschaftlichen Tässchen Vodka verdaulich gemacht.

Überhaupt sind die Zugfahrten bestimmt mit das Interessanteste was man in Russland machen kann. Als sei die Zeit stehen geblieben. 36 Stunden Zugfahren ist einfach nur angenehm und wird zum Abenteuer mit viel Wässerchen und Karten spielen.

vodkarusse

Putin hat aus ungefähr 107 verwaltungsbezirken 7 neue große mit je eigenen neuen Hauptstädten gemacht. Von den Dreien, die ich gesehen habe hat mir Moskau am besten gefallen, weil sie einfach am russischsten ist. St. Petersburg sieht eher aus wie Venedig, was aber für russische Architektur typisch ist, da schon immer Ausländische, vorallem Italienische, Architekten beschäftigt wurden. Auch der Kreml, das Herz Russland, ist zum größten Teil von italienischer Hand erschaffen. Absolut unglaublich sind die Russischen Schätze. Das beeindruckenste und größte Museum, dass ich je sah, die Erimitage, wurde nur noch durch die Ausstellung im Kreml überstrahlt. Die Zarenkornen der letzten paar Jahrhunderte stehen dort genauso wie eine Pompöse Kutschensammlung, unglaublich viel Gold und Silber und natürlich die von brillanter Ingeneurskunstzeugenden Fabergé-Eier. Die Diamantenaustellung habe ich leider nicht gesehen. So bleibt noch was für den nächsten Besuch :)

fussiUnsere Fussballmanschft -Asphaltdampfwalze Rostov

Weitere Highlights meiner Reise waren: mit einer Gruppe Russen den Sonnenaufgang auf einem Dach über St. Petersburg angucken, Paragliding über dem Schwarzen Meer, russisches Balett, 36 Zug fahren, Spazieren gehen und Wasserfälle angucken in den Sotschier Bergen, Besuch der Donkosakenhauptstadt, Tschechows Geburtshaus, Vodkamuseum, Moskauer Universität, Donschifffart mit der Disco, durchzechte Nächte mit allerlei Abenteuern, Durak und Fussball spielen mit Einheimischen, Bären jagen in der Sibirischen Hochprärie, Mikrowellenschaurma essen uvm…

ich und der gute LeninIch und er gute alte Lenin


Eine Reise nach Russland ist auf jeden Fall eine Reise wert, ich werde es sicher wieder tun.

In diesem Sinne

Do Svidanje

2 Reaktionen zu “5 Wochen Russland – ein Erfahrungsbericht”

  1. BOND - Jetzt aber alle

    wow, klingt ja echt gut! Schön dass du mal vom Pc und irgendwelchen VW-aufkaufenden Städten weggekommen bist! Man könnte direkt neidisch werden, morgen abend gehts nach Berlin, irgendwelche Empfehlungen?
    Und kein russiches roulette gespielt?

  2. Prost Mahlzeit

    “Der alte patriotische Linguistigprofessor, der uns einen Vortrag über die russischen Kultureinflüsse im Rest der Welt hielt, schilderte das ganze natürlich sehr einseitig. Er beschrieb die westlichen Medien als einseitig und meinte der Westen wünsche sich den guten alten Feind aus dem kalten Krieg zurück.”

    Wo er recht hat hat er recht ; )

    http://hintergrund.de/index.php?option=com_content&task=view&id=235&Itemid=63

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